Wohnraum in Karlsdorf- Neuthard

Veröffentlicht am 22.10.2018 in Gemeinderatsfraktion

Ausschnitt aus einem Bebauungsplanes

Die SPD-Fraktion hat sich mit dem Schwerpunkt „Wohnen/Wohnraum“ in der Gemeinde beschäftigt.

Sicherlich kennen Sie alle die Schlagzeilen, welche so oder in ähnlicher Form nahezu täglich durch die Presse gehen, vielleicht sind Sie gar selbst betroffen: „Mietpreisexplosion“, „Wir benötigen mehr Wohnraum!“ „2017 wurden in Deutschland täglich über 100 ha Land verbaut!“ „Die Parksituation wird immer schlechter!“

Für unsere Arbeit im Gemeinderat haben wir dieses Thema in drei Fragestellungen aufgeteilt, welche für unsere kommunalpolitische Situation relevant sind:

  • Neuen Wohnraum schaffen, aber wie und wo?
  • Wie kann man Wohnraum für alle bezahlbar halten?
  • Wie sieht die Zukunft des kommunalen bzw. sozialen Wohnungsbaus aus?

Die Auseinandersetzung mit dieser Thematik stellt sich nicht nur auf Landes- oder Bundesebene, sondern natürlich im Besonderen vor Ort in der Kommunalpolitik. Für die SPD-Fraktion ergeben sich aus diesen Fragen Zielkonflikte, die wir Ihnen im Folgenden darstellen möchten.

Unsere gesamte Region ist im bundesweiten Vergleich wirtschaftlich sehr stark und zieht dadurch viele Menschen an. Dadurch ergibt sich zwangsläufig ein Zuzugsdruck. Wir freuen uns, dass Karlsdorf-Neuthard sowohl bei Einheimischen als auch bei Auswärtigen als besonders attraktiver Wohnort gilt und die Einwohnerzahlen nicht sinken, sondern nach wie vor steigen. Dies zeigt, dass viele unserer Entscheidungen der vergangenen Jahre richtig waren; z. B. die Investitionen in Kinderbetreuung und Angebote für Senioren. Aber für diese Zuzügler muss neuer Wohnraum geschaffen werden. Wir möchten hierbei noch das Wort „bezahlbar“ ergänzen. Dazu in einer der nächsten Ausgaben mehr. Aber wie und wo soll Wohnraum geschaffen werden?

Die Flächen für neu zu erschließende Baugebiete in unserer vergleichsweisen kleinen Gemarkung werden immer weniger. Wir sehen auch den Punkt erreicht, an dem immer neue Wohngebiete an den Ortsrändern unsere Umwelt und damit auch unsere Lebensqualität negativ beeinflussen und den Spielraum zukünftiger Generationen im wahrsten Sinne des Wortes verbauen. Deshalb sind der Ausweisung neuer Baugebiete natürliche Grenzen gesetzt.

Alternativ dazu können durch die sogenannte Nachverdichtung vorhandene Ressourcen in den bereits vorhandenen Ortsgebieten genutzt werden. So ist es möglich neuen Wohnraum in vorhandenen Gebäuden, Bebauung von Freiflächen oder durch Umnutzung von bisher anderweitig genutzten Flächen (z. B. Firmenareale) zu gewinnen. Allerdings ist dieser Weg auch mit einigen Nachteilen verbunden. Die derzeitige Marktlage macht die Innenraumverdichtung insbesondere für Investoren lukrativ, so dass oftmals aus traditionellen Ein- bzw. Zweifamilienhäusern massive Wohnkomplexe mit mehreren Wohneinheiten entstehen. Auch nimmt die „Hinterhofbebauung“, also die Nutzung eines Grundstücks für mehrere Wohngebäude, immer mehr zu. Die Folgen sind oftmals die Verschattung der Nachbargrundstücke, die sich stetig verschlechternde Park- und Verkehrssituation in unseren Straßen sowie der einsetzende Verstädterungseffekt einzelner Straßenzüge.

Wo soll nun neuer Wohnraum geschaffen werden? Wie kann dieser Konflikt gelöst werden? Sicherlich nicht zur Zufriedenstellung aller. Die SPD-Fraktion hält den Weg der Nachverdichtung grundsätzlich für richtig und setzt sich für ein ausgewogenes Maß an Wachstum ein, ohne die vorhandenen örtlichen Strukturen zu gefährden. Dazu braucht es Richtlinien. So ist die Gemeinde aktuell dabei, die Bebauungspläne zu aktualisieren bzw. alle Ortsteile mit Bebauungsplänen abzudecken, um das Maß der Bebauungen neu zu regeln. Für uns besteht dabei die Schwierigkeit, zwischen berechtigten Interessen der Bauwilligen und denen der Allgemeinheit abzuwägen. Wie sich leider gezeigt hat, lassen sich unsere Vorstellungen zudem nicht immer mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen in Einklang bringen. Nachvollziehbaren und eng begrenzten Ausnahmen bei konkreten Bauvorhaben standen und stehen wir als SPD-Fraktion aufgeschlossen gegenüber, da kein Bebauungsplan alle Eventualitäten der Zukunft abdecken kann.

Es ist uns Verpflichtung, dieses sensible Thema so zu gestalten, dass alteingesessene Bürger und Neubürger; Wachstum und rücksichtsvoller Umgang mit den vorhandenen Ressourcen in Einklang gebracht werden.

 

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